Ich glaube, es nennt sich Reisemüdigkeit. Wenn man nicht mehr jeden Tag seinen Rucksack packen möchte, nicht mehr jeden Tag Neues sehen sondern einfach mal Kontinuität erleben möchte. Nicht mehr ständig neue Menschen kennen lernen, sondern bestehende Beziehungen intensivieren möchte. Wenn man das eigene Bett vermisst und den Geruch der Wohnung. Und eines möchte man in dieser Situation am allerwenigsten: Ein weiteres fremdes Land bereisen. Noch mehr Insektenschutzmittel verbrauchen. Wieder eine neue Währung. Die Vorzeichen für unsere erste Reise nach Indonesien standen denkbar schlecht. Und doch sind wir losgezogen. Und wiedergekommen.

Karimunjawa Tipps

Indonesien ist – so abgedroschen es klingt – eines der vielfältigsten Länder, in denen wir jemals waren. Ja, vielleicht ist es sogar das vielfältigste. Daher ist es uns auch nicht leicht gefallen, in unserer Gebrauchsanleitung für Indonesien alles unterzubringen. Aber wir haben uns bemüht. Wir haben bei weitem nicht alle Inseln bereist, daher beschränkt sich dieser Beitrag auf Java, Bali und Lombok.

Tipps für den Transport in Indonesien

Zugfahrten sind in Java überaus bequem. Es gibt für gewöhnlich 3 Klassen: Ekonomi, Bisnis und Eksekutif (Nein, das ist keine Schreibschwäche, so lauten tatsächlich die offiziellen Bezeichnungen). Für eine 5-stündige Zugfahrt in der Eksekutif-Klasse zahlt man etwa 10$. Zugfahrten haben einen riesigen Vorteil gegenüber Bus und Taxi: Man entgeht damit dem nervenaufreibenden indonesischen Straßenverkehr. Die Zeitangaben werden für Zugfahrten somit fast immer auf die Minute genau eingehalten. Selbiges kann man für Busfahrten nicht behaupten. Kulinarische Wünsche bleiben zudem nicht unerfüllt: Etwa im 10 Minuten Takt wird man von „Nasi Nasi Nasi Goreeeeeeng“-rufenden Menschen seines Schlafes beraubt.

Kommen wir damit gleich zur zweiten Variante: der Bus (respektive Reisebus). Gäbe es ein Ranking unsererseits, würde der Bus als Transportvariante ganz unten rangieren. Grund: Klimaanlagen gibt es selten, Staus auf den Straßen dafür umso häufiger. Busbahnhöfe sind ein Garant dafür, von dutzenden Indonesiern (wir wählen ganz bewusst die männliche Form) belästigt zu werden. Ja, sie möchten bloß ihre Tickets verkaufen, aber irgendwann hat man dafür einfach kein Verständnis mehr. Insofern: Verzichtet weitgehend auf Busfahrten. Wir meinen es nur gut!

Irgendwann wird man sich, wenn man Indonesien bereist, die Frage stellen müssen: Wie überquere ich unversehrt das Wasser? Und mit Wasser meinen wir den Ozean. In der Gegend um Bali, die Gili Inseln und auch für eine Reise nach Karimunjawa wird vor allem eine Fahrt mit dem Speedboat beworben. Reviews im Internet sind vernichtend, eine Überfahrt mit einem solchem Boot zählt bestimmt nicht zu den ungefährlichsten Aktivitäten. Eine Alternative ist oft die Public Ferry, die jedoch bedeutend länger braucht und meist die Ziele nicht direkt ansteuert. Ob man ein solches Speedboat betritt, bleibt jedem/jeder selbst überlassen. Im Falle des Falles: Ruhig Blut, wir sind auch nicht gestorben.

Speedboat Indonesien gefährlich

Autofähren Indonesien Tipps

Falls man ein Taxi benötigt, sollte man unbedingt und in jedem Fall auf die Blue Bird Gruppe setzen. Blue Bird Taxis sind gezwungen, den Taximeter zu benutzen. Der Fahrpreis hält sich somit in Grenzen und abgesehen davon werden sie im Internet als die vertrauenswürdigste Taxigesellschaft gepriesen. Diesem Lob können wir uns nur anschließen. Wir haben ausschließlich gute Erfahrungen mit Blue Bird Taxis gemacht. Man findet sie in jeder größeren Agglomeration, aber am besten ihr informiert euch direkt auf der Website von Blue Bird.

Längere Fahrten mit dem Taxi sind ebenfalls möglich, wenn man auf dem Landweg auf kürzestem Weg von A nach B kommen möchte. Für die Strecke von Jepara nach Solo haben wir beispielsweise 30 Euro bezahlt. Der Preis wird bei solchen Strecken im Vorhinein verhandelt und minimiert sich für jeden Einzelnen natürlich bei entsprechend höherer Belegung des Taxis.

Taxifahrer Indonesien

Rudi war tatächlich einer der nettesten Taxifahrer, denen wir jemals begegnet sind. Die Sonne, die war schuld!

Ein Zwischending von Taxi und Bus stellt das Bemo dar, eine Art Minibus, den vorwiegend Einheimische nutzen. Sobald genügend Menschen im Fahrzeug versammelt sind, geht die Fahrt los. Die Fahrpreise sind für uns absolut undurchsichtig. Wir sind uns sicher, für die Strecke von Gilimanuk nach Denpasar etwa 10 mal soviel gezahlt zu haben, wie der Junge auf dem Nachbarsitz. Macht aber nichts, die Preise sind dennoch nicht zu unterbieten. Das Problem an der Sache besteht viel eher darin, dass in manchen Gegenden Touristen und Touristinnen mit aller Kraft von den günstigen Bemos ferngehalten werden, um durch teure Taxis an ihnen zu verdienen.

Für weitere Strecken ist das Flugzeug eine willkommene Alternative. Die Preise sind stark schwankend. Je früher man bucht, desto günstiger kommt man in den meisten Fällen davon. Flugtickets können auch gut direkt am Flughafen gekauft werden. Oft sind die Tickets da sogar günstiger. Checkt auf jeden Fall auch die Preise direkt auf der Website der jeweiligen Airline. Womit wir auch schon zum nächsten Thema kommen: die Auswahl der Fluglinie. Mit Air Asia haben wir uns immer sicher gefühlt. Der jüngste Absturz trübt das gute Gesamtbild natürlich ein wenig. Lion Air verzeichnet ziemlich viele Zwischenfälle. Wir haben versucht, Lion Air zu umgehen, da uns das Geschäftsmodell (Expansion um jeden Preis) nicht seriös erscheint. Garuda Indonesia, die staatliche Fluglinie, stand einst auf der Black-List der EU, hat sich allerdings – wenn man den Berichten im Internet Glauben schenken darf – wieder verbessert. Wir haben uns sicher gefühlt, was vielleicht auch an der altersbedingten Erfahrung der Piloten lag (dass sie erfahren sind, hoffen wir zumindest).

Wie dem auch sein, stellt euch jedenfalls – unabhängig von der Airline – auf Turbulenzen während des Flugs ein. Das Wetter in Indonesien ist nicht als das beste Flugwetter bekannt.

Inlandsflüge Indonesien Tipps

Für den Transport in Jakarta legen wir euch die Bahn (KRL Jabodetabek) ans Herz. Zu den Stoßzeiten gibt es auf Jakartas Straßen oft kein Vorankommen. Mit der Bahn ist man schnell, günstig und unkompliziert unterwegs. Leider ist das Streckennetz nicht allzu groß und so ist man teilweise auf zusätzliche Verkehrsmittel angewiesen.

Visum für Indonesien

Auf den meisten größeren Flughäfen erhält ihr bei der Einreise ein „Visa on arrival“. Das Visum ist für 30 Tage gültig und kostet 35 Dollar pro Person. Im Flugzeug erhält ihr ein Formular, welches ihr ausgefüllt am Payment-Schalter abgebt. Wichtig: Das Geld müsst ihr unbedingt in bar dabei haben! Ihr könnt auch in IDR oder Euro zahlen. Mit der Rechnung erhält ihr anschließend beim Immigation-Schalter euer Visum. Bedenkt auch, dass ihr bei der Ausreise ebenfalls eine Gebühr zahlen müsst: 200.000 IDR für internationale Flüge bzw. 75.000 IDR für Inlandsflüge.

Die beste Jahreszeit für eine Reise nach Indonesien

Nicht unwesentlich für die Planung ist die Auswahl der Reisezeit. Grob gesagt gibt es in Indonesien zwei Jahreszeiten: Die Regen- und die Trockenzeit. In der Regenzeit habt ihr den Vorteil, dass allgemein weniger los ist. Die Unterkünfte sind somit meist günstiger. Außerdem ist die Natur üppiger und saftig grün. Die Nachteile liegen auf der Hand: Der Regen kann manchmal richtig lästig sein. Von einer halben Stunde Getröpfel mitten in der Nacht, das kaum zu bemerken ist, bis zu tagelangem Dauerregen ist alles drin. Unberechenbar, quasi. In der Trockenzeit entgeht ihr dem Regen weitestgehend, Schauer kann es dennoch ganzjährig geben. Die meisten Menschen reisen in der Trockenzeit und das schlägt sich natürlich in den Preisen nieder.

Generell herrscht von April bis Oktober Trockenzeit in Indonesien, wobei manche Gegenden da ein wenig aus der Reihe tanzen. Sumatra ist beispielsweise weniger berechenbar und in Teilen der Molukken sowie in West-Papua ist zwischen Mai und September Regenzeit.

Wir waren bisher im April /Mai sowie im Juli/August in Indonesien und zwar jeweils auf Java, Bali und Lombok bzw. Karimunjawa. Im April und Mai ist uns die saftige Natur in besonders guter Erinnerung. Man merkt, dass die Regenzeit noch nicht lange her ist. Die Pflanzen wachsen, alles ist grün. Im Spätsommer ist die Landschaft trockener und natürlich sind da – ferienbedingt – auch einfach mehr Menschen unterwegs. Insofern: Daumen hoch für April und Mai!

Die lieben Menschen

Wir haben uns sagen lassen, wir seien „Bule“, Westler also. Und irgendwie kommt das ganz gut an in Indonesien. Wer von euch europäisch aussieht und vorhat, Java zu bereisen, kann sich schon mal darauf einstellen, oft um ein gemeinsames Foto gefragt zu werden. Und zwar so oft, dass sich das Tempel-Ansehen als mühsam gestaltet. Aus irgendeinem uns nicht ganz erfindlichen Grund sind Indonesier und Indonesierinnen von der Tatsache unserer Gegenwart in ihrem Land derart fasziniert, dass man sich ab und an vor den kreischenden Scharen verstecken möchte. Vor allem junge Menschen entwickeln sich schnell zu Groupies. Wie man damit umgeht, bleibt jedem/jeder selbst überlassen. Aber sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt!

Indonesien Fotos mit Touristen

Indonesien und die Religion

Indonesien ist ja bekanntlich ein muslimisches Land. Ja, es ist sogar das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Und da gibt es einiges zu beachten. Da wäre zunächst einmal die Kleidung. In Hotpants und ärmellosem Top fühlt man sich schlicht deplatziert. Indonesiens Frauen sind zwar selten vollkommen verschleiert, viele tragen jedoch ein Kopftuch. Die Religion zu respektieren, ist uns wichtig, daher können wir es nicht verstehen, wie Reisende sich teilweise kleiden.

Da gibt es noch eine Sache, die man berücksichtigen sollte: Religiöse Feste. Während des Ramadan essen und trinken gläubige Indonesier und Indonesierinnen erst zu Sonnenuntergang. Viele Geschäfte und Lokale haben untertags geschlossen und öffnen erst zu Sonnenuntergang, also etwa gegen 18 Uhr. In touristisch erschlossenen Gegenden erhält man jedoch problemlos immer etwas zu essen. In abgelegenen Gebieten kann es schon einmal schwieriger werden. Während Idul Fitri, dem Abschlussfest des Fastenmonats, spitzt sich die Lage dann etwas zu. Hätten unsere Guesthouse-Betreiber dort den Grill für uns nicht angeworfen, hätten wir uns wohl einige Tage von Keksen ernähren müssen.

Auch der öffentliche Verkehr kann beeinträchtigt sein: Busse, Züge und Flüge sind während des Ramadan, vor allem aber während Idul Fitri, oft ausgebucht. Und: man muss zu dieser Zeit auch mit beträchtlichen Einschränkung der Nachruhe rechnen – Grund dafür: die erhöhte Lautstärke und die hohe Frequenz der Gebete in allen Moscheen. Macht aber nichts, finden wir.

Was kostet was in Indonesien?

… Essen gehen für zwei Personen in einem Warung (= günstiges Restaurant) – 80.000 IDR
… eine Übernachtung für zwei Personen in einem schönen Doppelzimmer mit Klimaanlage und eigenem Bad – 350.000 IDR
… die Miete für ein Moped für einen Tag – 75.000 IDR
… ein Liter Benzin – 10.000 IDR
… die Jeeptour beim Mount Bromo – 350.000 IDR (für den ganzen Jeep)
… der Eintritt für Borobudur – 20 Dollar pro Person
… ein Bintang im Restaurant – 25.000 IDR
… ein Flug von Jakarta nach Bali – zwischen 500.000 und 700.000 IDR pro Person

Und sonst?

Binnen 24 Stunden war sie also dahin, die Reisemüdigkeit. Weitere 48 Stunden später waren wir Feuer und Flamme. Und 1 Jahr später? Tja, da haben wir den nächsten Flug nach Indonesien gebucht…

Kennt ihr schon unser Video?


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