Wer denkt bei einem Roadtrip durch Südfrankreich nicht auch an kurvige Küstenstraßen, Meeresrauschen und sich im Wind biegende Palmen? Was das alles mit der Lozère zu tun hat? Ziemlich genau nichts. Mit Ausnahme der kurvigen Straßen vielleicht. Davon gibt es in der Lozère nämlich eine ganze Menge. Die Lozère ist wild, karg und unberührt. Sie ist das absolute Gegenteil von dem, was man sich vorstellt, wenn man an den Süden Frankreichs denkt. Und: Sie bleibt uns allen voran als der spektakulärste Stopp unserer Reise in Erinnerung.

In diesem Blogartikel zeigen wir dir, warum uns die Lozère mit den Schluchten des Tarn (Gorges du Tarn) und den Schluchten der Jonte (Gorges de la Jonte) so begeistert hat. Außerdem haben wir natürlich wie immer ein paar Geheimtipps für dich. Bereit?

1. Die Lozère und der Nationalpark Cevennen

Verrückte Sache: Von allen 96 Départements, die zum Festland Frankreichs gehören, ist die Lozère das bevölkerungsärmste. Und wir können bestätigen: Durch eine solch dünn besiedelte Region wie die Lozère sind wir selten gereist! Oft fährt man kilometerlang durch einsame Landstriche. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb uns die Lozère so nachhaltig beeindruckt hat.

Die Lozère ist eine unsagbar spektakuläre Region im Süden Frankreichs: Zwei Flüsse, der Tarn und die Jonte, haben hier tiefe Schluchten in die Cevennen gegraben und sie in Kalkhochebenen geteilt: die sogenannten “Causses”. Soll heißen: Die Landschaft der Lozère kombiniert atemberaubende Schluchten und karge, endlos weite Hochebenen. Glaub uns: Das ist ein derartiges Naturspektakel, dass wir uns selbst nach mehreren Tagen an den Canyonlandschaften der Lozère nicht sattgesehen hatten. Ganz zu schweigen von den malerischen, winzig kleinen Bergdörfern, in denen die Zeit stehen geblieben ist.

Unsere Erfahrung: Für wen ist ein Urlaub in der Lozère geeignet?

Wenn du eine Reise in die Lozère planst, solltest du Natur mögen – soviel steht fest. Der Nationalpark Cevennen ist etwa für sein weitläufiges Wandernetz bekannt: Einige mehrtägige Wanderungen verlaufen quer durch den Nationalpark Cevennen bzw. durch die Lozère. Wenn du also schon immer einmal einen Fernwanderweg bezwingen wolltest, dann ab in die Lozère. Die Lozère ist auch sehr für ihre Klettergebiete bekannt: Entlang der Tarnschluchten verlaufen einige der beliebtesten Kletterrouten ganz Frankreichs.

Aber keine Sorge: Die Lozère lässt sich auch sehr bequem mit dem Mietauto erkunden, so wie wir das gemacht haben. An vielen Orten sind auch kurze Wanderungen möglich.

Sainte Enimie Tipps

2. Die Tarnschlucht (Gorges du Tarn) und ihre Dörfer

Was jetzt folgt, ist ein kleines Loblied an die Canyonlandschaften der Lozère: Die sind nämlich derart atemberaubend, dass uns immer noch ein bisschen die Worte fehlen. Den Anfang macht die spektakuläre Gorges du Tarn (im Deutschen oft Tarnschlucht(en) oder Schluchten des Tarn genannt) mit ihren an und in die Felswände gebauten Bergdörfern.

Wenn du mit dem Auto im Tal der Tarnschlucht entlangfährst, dann kann das schon manchmal ein bisschen beklemmend sein. An manchen Stellen ist die Straße so eng, dass wir uns inständig gewünscht haben, nicht auf Gegenverkehr zu treffen. Links die Felsenwand – rechts der Abgrund.

Du kannst die gesamte Straße von Le Rozier (dem Ausgangspunkt der Tarnschlucht) bis ins berühmte Castelbouc unten am Ufer des Tarn entlangfahren. Es lohnt sich allerdings unbedingt auch, einmal eine der Abzweigungen in die Höhe zu fahren. Denn die Tarnschlucht ist erst so richtig beeindruckend, wenn man sie von oben aus bestaunt.

Point Sublime

Eine unserer ersten Begegnungen mit der Lozère war der Ausblick vom Point Sublime. Wenn der mal seinem Namen nicht alle Ehre macht! “Sublime” bedeutet nämlich soviel wie “überwältigend”. Und genau dieses Wort beschreibt den Fernblick tatsächlich am allerbesten.

Vom Point Sublime liegt dir einer der spektakulärsten Abschnitte der Gorges du Tarn zu Füßen. Der Aussichtspunkt ist einer der bekanntesten und beliebtesten der gesamten Schlucht. Dass wir dort also einen extra langen Foto-Stopp eingelegt haben, müssen wir an dieser Stelle nicht mehr erwähnen, oder? Unser Fazit: Unbedingt vorbeischauen!

Du kannst mit dem Mietwagen bis direkt zum Aussichtspunkt fahren und dort auf dem kostenlosen Parkplatz parken. Es gibt auch ein kleines Café, in dem du dir etwas zu trinken kaufen kannst. Unsere Fotos haben wir übrigens nicht von der offiziellen Aussichtstterrasse gemacht, sondern ein paar Minuten entfernt davon an einem ruhigeren Fleck.

Aussichtspunkt Gorges du Tarn

La Malène

La Malène ist ein Bilderbuch-Dorf in der Tarnschlucht. Der Blickfang von La Malène ist die Burg namens “Manoir de Montesquoi” und allein für diesen Anblick lohnt sich ein Zwischenstopp. Kleiner Tipp: Die ganze Schönheit des Bergdorfs siehst du erst aus ein wenig Entfernung. Wenn du die Serpentinen auf der anderen Seite der Schlucht hochfährst, hast du einen tollen Panoramablick über La Malène.

Und gleich noch ein Tipp: La Malène ist auch ein beliebter Ausgangspunkt, um die Tarnschlucht vom Wasser aus zu erkunden. Aus Zeitgründen haben wir das zwar leider nicht gemacht, doch eine Fahrt mit den “Bateliers des Gorges du Tarn” muss wohl ziemlich eindrücklich sein.

Sainte-Enimie

Sainte-Enimie ist der berühmteste Ort in der Tarnschlucht. Von Westen kommend hatten wir schon bei der Anreise einen zauberhaften Ausblick auf das Bergdorf mit seiner fotogenen Brücke. Nicht verwunderlich, dass Sainte-Enimie zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählt, oder?

Im Ortszentrum trifft man vergleichsweise viele BesucherInnen, aber keine Sorge: Sainte-Enimie hat sich den Charme eines abgeschiedenen Bergdorfes immer noch bewahrt. Wir empfehlen dir unbedingt, dein Auto zu parken und einen Spaziergang durch das malerische, mittelalterliche Ortszentrum bis zur Kirche Notre-Dame-du-Gourg zu machen.

Sainte Enimie

Castelbouc

Kein Dorf in der Tarnschlucht ist derart außergewöhnlich wie Castelbouc. Auf den ersten Blick könnte man die Häuser glatt übersehen, die sich hier an und in die Felswand drücken. Wenn du von Sainte-Enimie kommst, hast du schon ein paar hundert Meter vor der Ortseinfahrt einen tollen Blick auf Castelbouc.

Dein Auto musst du spätestens vor dem Ortseingang parken. (Es gibt nur ganz wenige Stellplätze, wir hatten aber Glück.) Vom Parkplatz kannst du entweder nur einen kurzen Spaziergang durch Castlebouc machen oder aber eine rund 2-stündige Wanderung unternehmen, die auch an der Burgruine vorbeiführt.

3. Die Jonteschlucht (Gorges de la Jonte) und ihre Dörfer

Etwas weiter südlich, etwas weniger bekannt, aber nicht weniger sehenswert: Die Jonteschlucht, auch “Gorges de la Jonte” genannt. Sie mag nicht ganz so spektakulär sein wie ihre große Schwester, die Tarnschlucht, ist aber definitiv ebenfalls einen Zwischenstopp wert.

Meyrueis

Ein guter Startpunkt für eine Erkundung der Gorges de la Jonte ist der Ort Meyrueis. So viele Menschen wie in Meyrueis haben wir in der restlichen Jonteschlucht nicht mehr gesehen. Hier gibt es tatsächlich mehrere Cafés, Restaurants und auch Hotels. Wir haben uns in einem der Cafés einen schnellen “Noisette” (das ist die Bezeichnung für einen Espresso Macchiato) genehmigt. Wenn du etwas mehr Zeit hast, kannst du auch der Grotte von Dargilan einen Besuch abstatten, die etwa 15 Autominuten von Meyrueis entfernt liegt.

Meyrueis

Zwischenstopps am Weg

Von Meyrueis kannst du ganz einfach dem Straßenverlauf Richtung Le Rozier folgen. Auf dem Weg gibt es immer wieder lohnenswerte Zwischenstopps, darunter beispielsweise der Aussichtspunkt “Belvedere Vautours”. Er liegt ganz in der Nähe des Maison des Vautours. Zur Erklärung: Das französische “Vautours” heißt übersetzt “Geier”. Im Maison du Vautours kannst du mehr über die Geier erfahren, die du in der Jonteschlucht immer wieder über dir am Himmel kreisen siehst. Wir selbst waren allerdings nur beim nahegelegenen Aussichtspunkt, der sich noch einige hundert Meter weiter Richtung Le Rozier befindet.

Noch ein Tipp (der zwar nicht direkt am Weg liegt, aber er soll nicht unerwähnt bleiben): Sehr empfehlenswert soll auch die Grotte Aven Armand sein, die sich unweit unserer Unterkunft befindet (dazu später mehr). Leider haben wir einen Besuch der Grotte zeitlich nicht geschafft.

Gorges de la Jonte

Jonteschlucht

Belvedere Vautours

Le Rozier

Keinesfalls verpassen darfst du den entzückenden Ort Le Rozier, in dem Tarn- und Jonteschlucht aufeinandertreffen. Unser Tipp: Von etwas Entfernung ist Le Rozier einfach wunderschön anzusehen! Parke bei der Einfahrt Richtung Ortszentrum unbedingt dein Auto kurz am Straßenrand, um einmal den Ausblick zu genießen. Ein Postkartenmotiv, sagen wir dir!

Und dann haben wir auch gleich noch einen zweiten Tipp, der wirklich von Herzen kommt: Im Restaurant “L’Alicanta”, das zum Hôtel Doussière gehört, hat man nicht nur einen sagenhaften Ausblick, sondern allen voran kann man auch ganz vorzüglich speisen. Große Empfehlung!

Le Rozier

4. Hyelzas: Zu Besuch bei den Schafen & der Fromagerie La Fédou

Von den Schluchten in die “Causses”: Die weitläufigen, kargen Kalkhochebenen sind in der Lozère ebenfalls unbedingt einen Besuch wert. Uns hat es ins winzige Dorf Hyelzas in der Causse Méjan verschlagen. Und wenn wir winzig sagen, meinen wir winzig: Hyelzas hat etwa 50 EinwohnerInnen, dafür zehnmal soviele Schafe!

An diesem idyllischen Ort fernab von – gefühlt – jeglicher Zivilisation durften wir nicht nur übernachten, sondern auch der Schafzüchterin Anaïs einen Besuch abstatten. Sie hat dort etwas ziemlich Großartiges geschaffen: “Des brebis et des hommes”, auf Deutsch: “Von Schafen und Menschen”. Sie ermöglicht BesucherInnen einen authentischen und ehrlichen Einblick in die Schafzucht und die Käseproduktion.

Denk dir jetzt noch 100% Leidenschaft dazu! Voilà: Das ist ein Nachmittag mit Anaïs. Wenn irgendjemand von tiergerechter Schafzucht etwas versteht, dann sie. “I love my sheep”, war der Satz, den wir an diesem Tag von ihr am häufigsten gehört haben. Sie hat mit den Schafen gekuschelt, sie gestreichelt und mit ihnen gespielt. Ihre Schafe werden übrigens ausschließlich zur Milchgewinnung genutzt und nicht geschlachtet.

Nach dem Besuch der Schafe folgte natürlich die Käseverkostung: Und zwar in der Fromagerie La Fédou, wo aus der Milch von Anais’ Schafen Käse hergestellt wird. Als Käse-Fans können wir behaupten, selten so guten Käse probiert zu haben.

Zuletzt brachte uns Anaïs noch zu einem ehemaligen Bauernhof in Hyelzas. Wenn du auch nur in irgendeiner Form geschichtlich interessiert bist, dann können wir dir einen Besuch sehr empfehlen. Anhand einer Broschüre (auch deutschsprachig möglich) geht man auf eigene Faust von Raum zu Raum und lernt unglaublich viel über die Landwirtschaft in früheren Zeiten. Fazit: Überraschend spannend!

Die wichtigsten Infos zu “Des brebis et des hommes”

Preis: 17 Euro für Erwachsene, 14 Euro reduziert, 11 Euro für Kinder
Dauer: ca. 3 Stunden
Sprache: Anaïs spricht gutes Englisch; die Broschüre im alten Bauernhof ist sogar auf Deutsch

Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten findest du auf der Website: Des brebis et des hommes

Schafzucht Lozere

Des brebis et des hommes

5. Unsere Unterkunft in Hyelzas: Übernachten im Steinhaus

Ganz dem Reiz der wilden Lozère entsprechend haben wir für zwei Nächte in einem alten Steinhaus übernachtet. “Le gîte de La Doline” heißt der zauberhafte Ort, der sich gefühlt im Nirgendwo befindet und an dem wir mal wieder richtig abschalten konnten. Ok, Nirgendwo stimmt nicht ganz: Hyelzas hat immerhin 50 EinwohnerInnen.

Genauso familiär wie man sich also eine Unterkunft in einem 50-EinwohnerInnen-Dorf vorstellt, ist das “Le gîte de La Doline” auch. Und genau das macht den Charme aus: Abends versammeln sich alle Gäste, um bei einem Aperitif auf den Tag anzustoßen und anschließend gemeinsam zu Abend zu essen. Die Gastgeberin höchstpersönlich tischt dann das Abendessen auf – und reicht dazu Wein in der Karaffe.

Das “Le gîte de La Doline” hat nur ganz wenige Zimmer. Die Gäste sind vorwiegend Wanderer und Wanderinnen, denn die Unterkunft liegt entlang einer bekannten Wanderroute durch den Nationalpark Cevennen. Wir waren übrigens an beiden Tagen nicht nur die einzigen, die mit Auto angereist waren, sondern auch die einzigen nichtfranzösischen Gäste. Mit unserem bruchstückhaften Französisch fiel die Verständigung zwar etwas schwer, aber wir hatten dennoch so wunderbare Begegnungen, die wir nicht missen möchten!

Noch ein kleiner Hinweis zur besseren Orientierung: Die Unterkunft wird manchmal auch “Gîte Four à pain” genannt (so beispielsweise auf den Hinweisschildern im Ort).

Hier kommst du zur offiziellen Website mit allen Infos (leider nur auf Französisch): Le gîte de La Doline

Lozere Tipps

6. Weiterreise über Florac: Grandiose Weitblicke

Unverhofft kommt oft. An unserem letzten Morgen hat uns die Lozère nämlich noch ein kleines Abschiedsgeschenk gemacht. Wir waren gerade auf der Weiterreise zur berühmten Pont du Gard, als wir kurz vor Florac mit diesem Ausblick belohnt wurden. Da fehlen einem doch echt die Worte, oder?

Wir haben dir den Mini-Aussichtspunkt, der direkt an der Straße (D 16) liegt, in der Karte markiert, sodass du ihn ebenfalls findest. Florac selbst haben wir leider aus zeitlichen Gründen nur kurz im Vorbeifahren gesehen. Aber so haben wir wenigstens einen Grund, wiederzukommen!


Transparenz: {Werbung}

Für diesen Blogartikel haben wir mit der Französischen Zentrale für Tourismus (Atout France) zusammengearbeitet. Im Rahmen der Naturkampagne #gesichterfrankreichs durften wir zwei Wochen lang durch Südfrankreich reisen – darunter auch in das Département Lozère. Auf unsere Meinung hat diese Zusammenarbeit selbstverständlich keinen Einfluss.

Dieser Blogartikel enthält unsere persönlichen Empfehlungen in Form von sogenannten Affiliate Links. Wenn du etwas über die Links buchst oder kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich dadurch am Preis überhaupt nichts. Tausend Dank von uns beiden!

Warst du schon einmal in der Gorges du Tarn, in der Gorges de la Jonte oder an einem anderen Ort in der Lozère? Oder hast du noch weitere Tipps für die Region? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen!