Die Wiener Traditionskaffeehäuser genießen weit über die Landesgrenzen hinaus Kultstatus. Ob du es glaubst oder nicht: Die Wiener Kaffeehauskultur zählt seit einigen Jahren tatsächlich zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Und wir, die wir Wien seit über 30 Jahren unsere Heimatstadt nennen, können dieser Auszeichnung nur beipflichten. Das Wiener Kaffeehaus ist nicht nur ein Ort, sondern ein Lebensgefühl.

Seit Jahrhunderten ist das Kaffeehaus so etwas wie das zweite Wohnzimmer der Wienerin und des Wieners. Das Schönste daran: Die Zeit scheint stillzustehen. Eile ist ein Fremdwort. Wenn du von deiner Melange stundenlang trinken möchtest (was das ist, erklären wir später), dann ist das in Ordnung. Das Wiener Kaffeehaus ist eine Oase der Langsamkeit und Gemütlichkeit.

In diesem Blogartikel stellen wir dir die schönsten Traditionskaffeehäuser Wiens vor. Unser Tipp: Falls du auf der Suche nach jungen, hippen Cafés bist, in denen es Avocado Toast oder Flat White gibt, dann lies besser bei unserem anderen Blogartikel weiter: Unsere liebsten Hipster-Cafés in Wien.

1. Die schönsten Traditionskaffeehäuser in Wien

Café Hawelka

Mehrfach besungen und von Einheimischen geliebt: Das Café Hawelka. In den 50er und 60er Jahren war es ein verrauchtes Künstlercafé – heute ist es eine Institution nahe des Stephansplatzes. Der düstere, leicht morbide Charme ist Geschmackssache. In unseren Augen kann in puncto Atmosphäre kein Kaffeehaus in Wien mit dem Hawelka mithalten.

Eines vorweg: Viele TouristInnen beschweren sich über die nicht vorhandene Speisekarte und den unfreundlichen Service. Im Hawelka gibt es tatsächlich keine Karte. Das erklärt sich aus der Geschichte, denn die Stammgäste des Hawelkas wissen seit jeher, was sie bestellen möchten. Wenn du den Kellner also nach einer Karte fragst, wird er dir möglicherweise recht flapsig antworten.

Wir wissen aber ohnehin schon immer, was wir möchten: Einmal Buchteln, bitte! Die werden jeden Abend nach traditionellem Rezept gebacken und ab 20 Uhr serviert. Leider haben sie auch einen stolzen Preis: 4 Stück (die Portion, die du auf dem Foto siehst) kosten 8 Euro!

Adresse: Dorotheergasse 6, 1010 Wien

Café Prückel

Eigentlich sollte das Café Prückel gar nicht in dieser Liste auftauchen. Der Grund: Vor einigen Jahren wurde ein homosexuelles Paar des Cafés verwiesen. Daraufhin demonstrierten die Wienerinnen und Wiener vor dem Café gegen Homophobie. Die Geschäftsführerin entschuldigte sich zwar für den Eklat, doch das rechtfertigt unserer Meinung nach keinesfalls das absolut unangemessene Verhalten.

Wir möchten darüber auch gar nicht hinwegsehen, doch wir sind ehrlich: Das Café Prückel ist einfach zu charmant, als dass wir es für immer meiden würden. Mit seiner 50er-Jahre-Einrichtung und den hellen, hohen Räumen tanzt das Café schon rein optisch aus der Reihe. Wir lieben, lieben, lieben die Atmosphäre genau so sehr wie den köstlichen Topfenstrudel!

Adresse: Stubenring 24, 1010 Wien

Café Prückel

Wiener Cafe Tipps

Café Sacher

Achtung touristisch! Das Café Sacher ist vermutlich das bekannteste Wiener Kaffeehaus, nicht allerdings das authentischste. An vielen Tagen im Jahr bildet sich vor dem Café eine lange Schlange, weil jede/e Wien-BesucherIn einmal die berühmte Sacher-Torte probiert haben möchte.

Stichwort Sacher-Torte: Wir möchten jetzt keine Illusionen zerstören, aber die wohl berühmteste Torte des Landes könnte unserem Geschmack nach ruhig etwas saftiger sein. Gut schmeckt sie natürlich trotzdem, keine Frage. Die Sacher-Torte hat aber auch ihren stolzen Preis: Ein Stück, das traditionellerweise mit Schlagobers (so sagt man bei uns zu „Sahne“) serviert wird, kostet mittlerweile 7,10 Euro. Dieser Preis für ein Stück Schokoladentorte ist definitiv überzogen. Hinzu kommen noch ziemliche Wucherpreise für den Kaffee. Für zwei Personen (d.h. zwei Stück Torte und zwei Melange) bist du bei 25 Euro angekommen – ohne Trinkgeld wohlgemerkt.

Das Ambiente im Café Sacher gehobener als in anderen Kaffeehäusern. Mit den roten, samtüberzogenen Bänken erinnern die Räumlichkeiten an kaiserliche Zeiten.

Noch ein Hinweis: Es gibt am Standort in der Wiener Innenstadt genau genommen zwei verschiedene Cafés – das altehrwürdige Café Sacher einerseits sowie das Sacher Eck andererseits. Letzeres wurde kürzlich renoviert und ist die moderne Variante des Café Sacher. Das Sacher Eck ist außerdem die richtige Anlaufstelle für dich, wenn du das ein oder andere süße Mitbringsel mit nach Hause nehmen möchtest.

Adresse: Philharmonikerstrasse 4, 1010 Wien

Demel – K. & K. Hofzuckerbäcker

Obwohl das Café Demel (oder genauer gesagt „der Demel“) mittlerweile sehr touristisch ist, mögen wir persönlich das klassische und leicht gediegene Ambiente sehr. Bekannt ist das Café vor allem für seine Mehlspeisen (daher auch das Wort „Hofzuckerbäcker“ im Namen). Wenn man bei uns in Wien beispielsweise eine Torte für einen besonderen Anlass benötigt, aber nicht selbst backen möchte, dann ist der Demel eine gute Anlaufstelle.

Was viele nicht wissen: Auch im Demel gibt es eine Sachertorte, die geschichtlich sogar mit dem Original aus dem Café Sacher in Verbindung steht. Jene im Demel darf sich nach einem Rechtsstreit zwar nicht „Original“ nennen, schmeckt aber unserer Meinung nach tatsächlich besser.

Adresse: Kohlmarkt 14, 1010 Wien

Demel Wien

Kleines Café am Franziskanerplatz

Wie der Name schon verrät, ist das Kleine Café am Franziskanerplatz tatsächlich klein. Dass die Fassade dieses charmanten kleinen Juwels in der Wiener Innenstadt foto- bzw. filmogen ist, finden nicht nur wir: Das Kleine Café am Franziskanerplatz diente als Filmlocation für die Hollywood-Liebesgeschichte „Before Sunrise“.

Das Kleine Café ist jedenfalls seit Jahrzehnten eine Institution und besonders in den Sommermonaten – in der „Schanigarten“-Saison – ein beliebter Treffpunkt. Schon unsere Elterngeneration hat sich hier zum Plaudern getroffen.

Adresse: Franziskanerplatz 3, 1010 Wien

Kleines Cafe Franziskanerplatz

Café Dommayer

Das Café Dommayer ist eines der wenigen Traditionscafés in Wien, das sich nicht im oder in der Nähe des Zentrums befindet. Genau genommen liegt das Café im recht „noblen“ 13. Bezirk und ist nur einen Katzensprung vom Schloss Schönbrunn entfernt. Obwohl das Café Dommayer mittlerweile von der Konditorei Oberlaa übernommen wurde und damit genau genommen Teil einer Konditorei-Kette ist, hat es sich unserer Meinung nach seinen Charme bewahrt.

In den restaurierten Innenräumen sitzt man gemütlich. Von einer „schmuddeligen“ Atmosphäre, wie man sie in einigen anderen Kaffeehäusern kennt, ist im Café Dommayer nichts zu sehen. Das Café zählt eher zu den stilvoll und elegant eingerichteten Cafés. Das Publikum ist bunt gemischt und reicht von der Familie, die nach dem Sightseeing eine kleine Stärkung zu sich nimmt, über PensionistInnen bis hin zu asiatischen TouristInnen. Ein Highlight ist definitiv der Gastgarten im hinteren Teil des Cafés, der im Sommer gut besucht ist.

Die Preise im Café Dommayer sind eher gehoben, wenngleich nicht so überzogen wie beispielsweise im Café Sacher. Für eine Melange und eine Torte musst du etwa gute 8 Euro rechnen. Da das Café wie gesagt zur Oberlaa-Konditorei gehört, ist die Torten- und Kuchenauswahl beachtlich. Einige Gäste nehmen sich an der Theke auch etwas Süßes für zuhause mit. Wenn du Lust auf etwas Salziges hast, dann kannst du aus einer Speisekarte auswählen. Serviert werden traditionelle Wienerische und Österreichische Gerichte.

Adresse: Dommayergasse 1, 1130 Wien

Cafe Dommayer

Noch mehr Tipps: Weitere Traditionskaffeehäuser in Wien

Die folgenden Kaffeehäuser sind ebenfalls einen Zwischenstopp wert. Bei Gelegenheit werden wir auch über diese traditionellen Cafés noch einen ausführlichen Erfahrungsbericht schreiben.

Café Central: Eines der bekanntesten Kaffeehäuser Wiens, bei dem sich auch mal gerne eine Schlange vor dem Eingang bildet. Bemerkenswert ist das Ambiente mit der Säulenhalle.

Café Diglas: Hat mehrere Standorte in Wien. Wir mögen es hier sehr gerne. Auch die Küche im Café Diglas ist überraschend gut!

Café Jelinek: Eine Institution in Wien! Mit den gepolsterten Sitzmöbeln kommt hier Wohnzimmer-Atmosphäre auf.

2. Tipps & Infos: Die Wiener Kaffeehauskultur

Kaffeespezialitäten: Was bestellen?

Das Wichtigste zuerst: In einem Wiener Kaffeehaus bestellt man niemals (!) „einen Kaffee“. Diese Bestellung führt zu ungläubligen Blicken beim Kellner bzw. bei der Kellnerin. Das Wort Kaffee ist in Österreich (und ganz besonders in Wien) ein Überbegriff für diverse Kaffeespezialitäten.

Damit du dir vorstellen kannst, wie vielfältig die Kaffeespezialitäten in Wien sind, stellen wir dir die wichtigsten vor:

Kleiner Schwarzer

Ganz puristisch: Ein einfacher Mokka. Mittlerweile wird er in der Espressomaschine zubereitet. Ein Kleiner Schwarzer ist also ein einfacher Espresso. Den Kleinen Schwarzen gibt es auch in doppelter Menge namens Großer Schwarzer.

Kleiner Brauner

Ein Mokka bzw. Espresso, der üblicherweise mit einem Kännchen Kaffeeobers (manchmal auch Milch) serviert wird. Der Kleine Braune ist sozusagen das Wienerische Pendant zum Espresso Macchiato. Den Kleinen Braunen gibt es auch in der doppelten Menge – dann heißt er allerdings Großer Brauner.

Verlängerter

Ein Mokka bzw. Espresso, der mit der doppelten Menge Wasser „verlängert“ wird. Das Ganze gibt es auch als „Verlängerter braun“ – d.h. mit einem Schuss Kaffeeobers oder Milch.

Melange

Der Klassiker! Für die Melange wird ein einfacher (oft leicht verlängerter) Mokka mit heißer Milch aufgegossen und erhält anschließend – ganz wichtig – eine Milchschaumhaube.

An dieser Stelle müssen wir aber erwähnen, dass jedes Kaffeehaus in Wien die Melange ein bisschen anders zubereitet. Die meisten Wienerinnen und Wienern sind der Meinung, dass Schlagobers (Sahne) in einer Melange nichts verloren hat. Dennoch gibt es einige Kaffeehäuser, in denen die Melange mit Schlagobers serviert wird – so etwa im Café Sacher. Mal schmeckt die Melange milchiger, mal schmeckt sie herber – man weiß also nie so ganz genau, was man bekommt.

Cappuccino

Den Ursprung vom Cappucino mag man zwar in Italien vermuten, allerdings: Das Wort „Cappuccino“ leitet sich angeblich von „Kapuziner“ ab. Und das wiederum war früher einmal die Bezeichnung für einen Mokka mit Schlagobers. Heute findet sich der Cappuccino in sehr vielen traditionellen Wiener Kaffeehäusern auf der Getränkekarte.

Genau wie bei der Melange variiert aber auch hier die Rezeptur. Während manche Kaffeehäuser den Cappucchino mit Schlagobers servieren, wird er bei anderen auf die italienische Art und Weise, also mit Milchschaum, zubereitet. In manchen Cafés werden Melange und Cappuccino auch synonym verwendet.

Franziskaner

Der Franziskaner ist ähnlich einer Melange, wird allerdings mit Schlagobershaube anstelle der Milchschaumhaube serviert.

Weitere Kaffeespezialitäten in Wien

Ob du es glaubst oder nicht – das war erst der Beginn! Auf der Speisekarte vieler Kaffeehäuser erstrecken sich die Kaffeespezialitäten über eine ganze Seite. Und dann gibt es auch verrückte Kombinationen mit Rum und Cocktailkirsche oder Likör. Kurios, oder? Die liebe Marion hat kürzlich auf ihrem Blog einen Artikel dazu verfasst: Wiener Kaffeespezialitäten.

Ein Besuch im Wiener Kaffeehaus – gut zu wissen

Das Schönste an der Wiener Kaffeehauskultur: Zeit spielt keine Rolle. Du kannst stundenlange Gespräche mit Freundinnen und Freunden führen ohne dass du dabei laufend ein neues Getränk bestellen musst. Das ist aus der Geschichte zu erklären, denn die Wiener Kaffeehäuser sind seit jeher ein bisschen so etwas wie das verlängerte Wohnzimmer der Bevölkerung.

Daher gibt es auch in jedem Wiener Kaffeehaus einen Tisch mit den aktuellen Tageszeitungen – üblicherweise in einem Zeitungshalter. Viele Gäste kommen in Wien zum Zeitunglesen ins Kaffeehaus.

Zum bestellten Kaffee bekommst du immer ein kleines Glas Leitungswasser dazu. Das Besondere dabei: Der Kaffeelöffel wird nach unten schauend auf diesem Glas Wasser platziert. Auch diese Tradition hat einen geschichtlichen Background. Es zierte sich für den Adel früher nicht, den Löffel einfach abzuschlecken, weshalb er in das Glas Wasser getaucht wurde. Heute dient das Leitungswasser selbstverständlich nur dazu, den Wasserhaushalt nach dem Kaffeegenuss aufrecht zu erhalten.

Der grantige Kellner

Wenn man sich die Bewertungen vieler Wiener Kaffeehäuser durchliest, dann ist oftmals vom „unfreundlichen Service“ die Rede. Bei uns in Wien haben wir für die Mentalität der KellnerInnen ein bestimmtes Wort: „grantig“. Dass die KellnerInnen einen grantigen Eindruck erwecken, gehört zu einem Besuch eines Kaffeehaus irgendwie dazu. Als Wienerin bzw. Wiener hat man sich daran gewöhnt, weil dieses „Granteln“ Teil der Wiener Seele ist – und die ist sehr sarkastisch, mitunter makaber und für BesucherInnen zunächst schwer zu verstehen.

Als Überbegriff passt am besten der sogenannte „Wiener Schmäh“. Ein Gespräch zwischen WienerInnen läuft niemals ohne Sarkasmus oder Ironie ab. Das ist ein schmaler Grat, aber unter WienerInnen versteht man einander meist. Von BesucherInnen können solche Aussagen häufig missverstanden werden. Wir möchten damit aber gar nicht ausschließen, dass manche KellnerInnen wirklich einfach nur unfreundlich oder uncharmant sind – auch das gibt es (leider).


Warst du schon einmal in Wien und hast auch schon das ein oder andere traditionelle Kaffeehaus besucht? Erzähl uns gerne von deinen Erfahrungen oder hinterlass uns deine Tipps – wir freuen uns!