Ergänzung: Im Dezember 2017 waren wir ein zweites Mal in Yangon. Unseren aktuellen Reisebericht mit all unseren Tipps für Yangon findet ihr in diesem Artikel:

Yangon: Die schönsten Sehenswürdigkeiten und unsere Insider-Tipps


Yangon. Hier sind wir also. In Burma. In Yangon. Yangon – der Name der Stadt klingt geheimnisvoll, unberührt, unberechenbar. Während des einstündigen Flugs von Bangkok haben wir Zeit, uns den Kopf darüber zu zerbrechen, was uns wohl erwarten würde. Anders stellen wir es uns vor, etwas ruhiger als andere südostasiatische Städte. Mit Letzterem sollten wir Recht behalten, dass es allerdings so anders sein würde, hätten wir nicht erwartet.

Yangon, das ist Hektik gepaart mit Gelassenheit, Freundlichkeit, Neugier, Hitze, Staub und den Resten der Kolonialzeit. Yangon ist aber auch Armut, Aussichtslosigkeit, Bescheidenheit. Yangon regt uns zum Nachdenken an, so sehr wie es noch keine Stadt zuvor geschafft hatte. Überrollt von der Lawine an neuen Eindrücken, machen wir uns zu einer ersten Stadtbesichtigung auf.

Yangon-Straßenszene

Yangon-Hauptstraße

Ein Streifzug durch Yangon

Uralt-Telefone auf Straßenständen, deren Kabel in die dahinterliegenden Häuser verlaufen, Betelnuss-kauende und diese wieder ausspuckende Menschen, Frauen mit heller Thanaka-Paste auf den Wangen – Wir müssen Acht geben, nicht zu stolpern, während unsere faszinierten Blicke alles aufsaugen möchten. Alles. Alles. Alles. Das ist Burma.

Faszinierend sind auch die Gebäude. Wir sehen Pagoden, Kirchen, Backsteinbauten. Wir sehen alte, verwahrloste Kolonialbauten, die vor vielen Jahren prächtig ausgesehen haben müssen. Die Häuser haben nette, kleine Balkone. Von unserem Guesthouse können wir die Menschen in den gegenüberliegenden Häusern beobachten. Die Bodenfliesen gefallen uns. Die Menschen arbeiten, waschen ihre Wäsche, spielen mit den Kindern am Boden, nähen, sitzen, beobachten. Vom Balkon aus können wir in entspannter Umgebung das hektische Straßenleben überblicken. Hier wird verkauft, gehandelt, transportiert, gehupt, gepfiffen, gespuckt. Das ist Burma. Jetzt fühlen wir es, wir sind mittendrin.

Chan-Myae-Yangon

Koloniales-Haus-Yangon

Abenteuerliche Zugfahrt: Der Circular Train in Yangon

Wir möchten noch mehr sehen, noch mehr erleben. Wir möchten mit dem Zug einmal um Yangon herum fahren. Der Bahnhof überrollt uns. Die vielen Menschen, die Hitze. Es ist laut, stickig, lebendig, es ist unbeschreiblich. In den Zügen wird von Jung und Alt alles nur Erdenkliche verkauft: Hüte, rohe Maiskolben, Betelnüsse. Und das Wichtigste: Wasser!

Bahnhof-Yangon

Zugfahrkarte-Burma

Alle Augen sind auf uns gerichtet, als wir das Abteil betreten. Alle! Die Menschen deuten uns, wohin wir uns setzen sollen. Sie lächeln zurückhaltend, manche grinsen uns an. Der Zug fährt ab. Langsam, sehr langsam rollt er aus der Stadt. Der Zug ist fast so träge, wie wir, die wir geschlaucht von der Hitze in diesem  Zugabteil sitzen. Aus dem Zug zu schauen, den Fahrtwind zu spüren, Menschen zu beobachten, die Landschaft vorbeiziehen zu sehen – das ist einer diese Momente, in denen man dankbar ist, in denen man das Reisen liebt.

Autofriedhof-Burma

Heruntergekommenes Haus in Myanmar

Die Menschen um uns herum sind neugierig, sie möchten mit uns kommunizieren, das merken wir. Manche können sogar ein paar Brocken Englisch, mit denen unterhalten wir uns und lernen einige Worte Burmesisch. Eine Frau schenkt uns Wasser, eine andere Taschentücher, ein zahnloser Mann lacht uns unentwegt an – wir sind hin und weg, gerührt, Gefühlschaos!

Kreislinie-Yangon

Kreislinie in Yangon

Zugfahren in Burma

Markt-in-Yangon

Wir gelangen zu einem Markt, der direkt an den Schienen liegt. Noch bevor der Zug anhält, schmeißen Frauen mit vollem Karacho ihre vollbefüllten Obst- und Gemüsekörbe ins Abteil. Jetzt wirds langsam ziemlich eng hier drinnen! Wir genießen es, saugen alles auf, alle Eindrücke! Wir lieben es, wir sind glücklich. Das Rattern des Zuges über die Gleise klingt nach Freiheit, nach Reise. Das ist unsere Reise. Hier sind wir richtig!

Mit dem Zug in Myanmar reisen

Besuch der Shwedagon Pagode

Und eines darf bei einem Yangon-Aufenthalt natürlich nicht fehlen: Die Shwedagon Pagode. Als wir hinfahren, dämmert es schon. Eigentlich wollten wir sie ja bei Tag und Nacht bestaunen, doch das geht sich leider nicht mehr aus. Wenn sie bei Tag nur halb so beeindruckend aussieht wie bei Nacht, wäre der Anblick dennoch großartig, davon sind wir überzeugt.

Shwedagon Pagode bei Nacht

Die Stimmung ist unbeschreiblich, wir sind erneut begeistert. Der Anblick dieser riesigen, gold-glänzenden Pagode lässt uns keinen Augenblick daran zweifeln, dass wir gerade vor dem wohl beeindruckendsten religiösen Gebäude ganz Südostasiens stehen. Getrübt wird das Bild durch die unzähligen neonfarben-blinkenden Leuchtketten, die an den umstehenden Buddhas und Mini-Tempeln angebracht sind. Ich weiß nicht, wer sich diese Unart ausgedacht hat, aber sie zerstört die mystische, beruhigende, meditative Atmosphäre. Daher unser Rat: Lasst euch etwas einfallen, um diese Lichter gedanklich ausblenden zu können. Irgendwas! Es ist wirklich grauenhaft. Schaut einfach nicht hin. Das ist Asia-Kitsch-Style hoch tausend!

Shwedagon-Pagode-in-der-Nacht

Was uns auch auffällt: WIR fallen auf. Wieder einmal starren uns alle an, kichern über uns, drehen sich nach uns um, lächeln uns an, bezeichnen uns als „beauty“. Da dauert es nicht lange, bis wir um ein gemeinsames Foto gefragt werden. Das sind wir also, Toni, Romeo, Patrick und Kathi umringt von einer Schar junger BurmesInnen. Man muss diese Menschen doch einfach mögen, oder? Sie sind entzückend.

Shwedagon Pagode Tipps

Authentisches Einkaufszentrum in Yangon

Um noch einmal so viel Yangon wie nur möglich zu erleben, suchen wir an unserem letzten Tag ein Einkaufszentrum auf. Erster Gedanke: Ameisenhaufen. Freundlicher Ameisenhaufen. Es wimmelt nur so von BurmesInnen, die uns von oben bis unten anstarren. Wir lügen nicht, wenn wir sagen, dass wir dort die einzigen TouristInnen sind. Die einzigen weit und breit! Die Rolltreppen blieben vermutlich schon vor Jahrzehnten stecken. Das gesamte Gebäude ist eine Sehenswürdigkeit. Wir werden angelacht, es wird mit dem Finger auf uns gezeigt. Und wir, wir versuchen uns in dem Chaos zu orientieren und bahnen uns unseren Weg durch das Gebäude. Wir lieben die Atmosphäre, das Gewusel, wir saugen alles auf.

Yangon, du bist so sonderbar. So viele neue Eindrücke wie hier durften wir noch nie mit auf unsere weitere Reise nehmen. Du ziehst uns in deinen Bann, öffnest uns die Augen. Auf so viele freundliche, hilfsbereite Menschen wie hier sind wir noch nie gestoßen. So sehr wie hier haben wir eine Zugfahrt noch nie genossen. Noch nie. Das ist Burma.


Seid ihr auch schon einmal mit dem Circular Train in Yangon gefahren? Hinterlasst uns doch einen Kommentar mit euren Erfahrungsberichten.